«Der Mensch lebt nicht von Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.»
Deuteronomium 8,3 / Matthäus 4,4
Propsteileben & Benediktinisches
Die Propstei St. Gerold ist ein Ort, der aus einer jahrhundertealten Tradition lebt – und zugleich offen ist für die Menschen von heute. Das benediktinische Leben, das hier seinen Ausdruck findet, wurzelt in der Regel des heiligen Benedikt, die seit dem 6. Jahrhundert Menschen Orientierung gibt: ein Weg der Balance, der Einfachheit und der Aufmerksamkeit für das Wesentliche.
„Ora et labora – bete und arbeite“ beschreibt nur auf den ersten Blick das Herzstück dieser Lebensform. Dahinter verbirgt sich mehr: ein Rhythmus, der Stille und Bewegung, Innerlichkeit und Handeln, Gemeinschaft und persönliche Entfaltung miteinander verbindet. In der Propstei wird dieser Rhythmus spürbar – in den Zeiten des Gebets, in der Begegnung mit Kunst und Kultur, in der Erfahrung von Natur und Landschaft und nicht zuletzt in der Begegnung mit Menschen.
Achtsamkeit
Benediktinisches Leben bedeutet Achtsamkeit. Es lädt ein, im Gebet zur Mitte zu finden, in der Arbeit Verantwortung für die Schöpfung zu übernehmen und in der Gastfreundschaft jedem Menschen offen zu begegnen – unabhängig von Herkunft, Glauben oder Lebensweg. Diese Haltung prägt das Miteinander in der Propstei und schenkt dem Ort seine besondere Atmosphäre.
Dabei ist wichtig zu wissen: Die Propstei ist kein Kloster im eigentlichen Sinn, sondern ein wirtschaftlich eigenständiger Betrieb, der sich selbst tragen und finanzieren muss. Das geschieht durch viele Bereiche, die gleichzeitig Ausdruck benediktinischer Gastfreundschaft und schöpferischer Verantwortung sind: durch das Gästehaus, in dem Menschen Ruhe und Erholung finden; durch die Gaststube, welche regionale Küche anbietet; durch kulturelle Veranstaltungen, die Räume für Inspiration und Begegnung schaffen; durch soziale Initiativen, die Unterstützung und Teilhabe ermöglichen; sowie durch vielfältige Kultur- und Bildungsprojekte.
Raum der Tiefe
So zeigt sich: Wirtschaftlichkeit und Spiritualität stehen nicht im Gegensatz, sondern tragen einander. Nur durch eine solide wirtschaftliche Basis kann die Propstei ihren geistlichen Auftrag, ihr kulturelles Wirken und ihre Offenheit für Gäste lebendig halten.
Wer hierherkommt, entdeckt mehr als einen historischen Bau oder ein kulturelles Zentrum. Man entdeckt einen Raum der Tiefe, der Geborgenheit und der Weite – einen Ort, an dem die alte Weisheit des Benediktinischen neu aufscheint und eine stille Kraft für das eigene Leben schenken kann.
„Sankt Gerold ist das schönste Land, das ich kenne!“
So schrieb einmal die kleine Andrea dem Propst